THM-Alumna Vanessa Nickel zu Gast: Praxis-Einblicke in Kreislaufwirtschaft, Kunststoffrecycling und die PPWR
Wie gelingt eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe? Welche Rolle spielen Rücknahmesysteme, Zertifizierungen und neue regulatorische Anforderungen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Gastvortrag von Vanessa Nickel, Projektmanagerin im Bereich PlastCert bei der RIGK GmbH und BWL-Absolventin der THM Business School, im Modul Implementierung einer Nachhaltigkeitsstrategie des Studiengangs BWL-Nachhaltigkeitsmanagement.
Zu Beginn des Vortrags stellte Frau Nickel die RIGK GmbH vor. Das Unternehmen wurde 1993 von führenden Unternehmen der Kunststoff- und Chemieindustrie gegründet – darunter BASF, Dow und LyondellBasell – mit dem Ziel, Rücknahme- und Verwertungssysteme für Kunststoffe aufzubauen und damit die Kreislaufwirtschaft aktiv zu fördern. Heute entwickelt und betreibt die RIGK zahlreiche branchenspezifische Rücknahmesysteme für Kunststoffe aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft.

Anhand konkreter Beispiele wie ERDE (Rücknahme von Agrarkunststoffen) und PAMIRA (Rücknahme restentleerter Pflanzenschutzmittelverpackungen) wurde deutlich, wie bundesweit organisierte Sammel- und Verwertungssysteme dazu beitragen, hochwertige Stoffkreisläufe zu schließen. Dabei erläuterte Frau Nickel auch den Unterschied zwischen Verpackungen aus privaten Haushalten, die über die bekannten dualen Systeme (z. B. Gelbe Tonne oder Gelber Sack) erfasst werden, und gewerblichen Verpackungen. Für letztere müssen Unternehmen eigene Rücknahmelösungen organisieren oder auf spezialisierte Systeme wie die der RIGK zurückgreifen. So wurde anschaulich, dass Kreislaufwirtschaft bereits bei einer funktionierenden Erfassung und Rücknahme gebrauchter Kunststoffe beginnt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war der Bereich PlastCert. Frau Nickel erläuterte, weshalb unabhängige Zertifizierungen für Kunststoffrezyklate und Recyclingprozesse angesichts steigender regulatorischer Anforderungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Besonders anschaulich stellte sie den Ablauf eines Zertifizierungsprozesses vor – von der Vorbereitung und Dokumentenprüfung über das Audit vor Ort bis hin zur abschließenden Bewertung. Dabei wurde deutlich, wie Materialströme, Rezyklatgehalte und deren Rückverfolgbarkeit überprüft werden und welche Anforderungen Unternehmen erfüllen müssen, um eine unabhängige Zertifizierung zu erhalten. Die Studierenden erhielten dadurch einen praxisnahen Einblick in die Arbeit einer Zertifizierungsstelle und die Bedeutung glaubwürdiger Nachweise entlang der Wertschöpfungskette.

Abgerundet wurde der Vortrag durch einen Überblick über die neue Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) der EU. Frau Nickel erläuterte die zentralen Neuerungen der Verordnung. So müssen Kunststoffverpackungen ab 2030 verpflichtend Mindestrezyklatanteile enthalten, die je Verpackungstyp zwischen 10 und 35 % liegen und ab 2040 weiter ansteigen. Recyclinggerechtes Verpackungsdesign, die Rückverfolgbarkeit von Rezyklaten und belastbare Zertifizierungen erlangen weiter an Bedeutung, um die Einhaltung der neuen Anforderungen nachweisen zu können.
Der Vortrag machte deutlich, dass eine funktionierende Kreislaufwirtschaft nur durch das Zusammenspiel von Rücknahmesystemen, hochwertigem Recycling, unabhängigen Zertifizierungen und geeigneten regulatorischen Rahmenbedingungen gelingen kann.
Als Absolventin der THM Business School freute sich Frau Nickel über die Rückkehr an ihre Hochschule. Anhand ihres beruflichen Werdegangs zeigte sie den Studierenden auf, welche vielfältigen Karrierewege sich an der Schnittstelle von Betriebswirtschaft, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft eröffnen.

Wir bedanken uns herzlich bei Vanessa Nickel für den informativen Vortrag, die zahlreichen Praxisbeispiele und den offenen Austausch.
Prof. Dr. Isabell Lenz
Fotos: Lena Eiermann