Expertise aus und für Japan

Bereits zum vierten Mal ist Shingo Yasuda, genannt Nakamura, zu Gast an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Der Professor für Business Administration an der Ritsumeikan University in Osaka lehrt und lernt für ein Semester am Fachbereich Wirtschaft. Mit Prof. Dr. Nils Madeja tauscht er sich über Digitalisierung und digitale Transformation von Unternehmen aus – und will einen deutschen „Klassiker“ untersuchen: das Einwegpfand.

 

Plastikflasche kaufen, austrinken, in einen Automaten schieben – Pfand bekommen. Bis das Einwegpfand-System so reibungslos lief, brauchte es einige Jahre. Politische und technische Hürden mussten überwunden werden, heute gehört es zum Alltag in Super- und Getränkemärkten. Und findet als Beitrag zur Lösung der weltweiten Plastikmüllschwemme Anerkennung: „Mich interessiert das Pfandsystem, wie die Trennung der Plastikarten funktioniert und welche wirtschaftlichen Faktoren diese Form der Kreislaufwirtschaft bestimmen“, sagt Prof. Nakamura.

Er möchte einige Impulse mit nach Japan nehmen, insbesondere zu Nachhaltigkeitsthemen und zur Digitalisierung von Unternehmensprozessen. Dazu will er an der THM auch selbst einige Vorlesungen besuchen. Gleichzeitig möchte er zu Letzterem aber auch japanische Ansätze vermitteln – wechselseitiges Lernen aus unterschiedlichen Herangehensweisen an die gleichen wirtschaftlichen Fragestellungen.

Nakamura begrüßten zum Antritt seines Forschungssemester THM-Vizepräsident Prof. Olaf Berger sowie Prof. Dr. Gerrit Sames und Prof. Dr. Jens Klose als Dekan und Prodekan des Fachbereichs Wirtschaft. Sames drückte seine Freude aus, dass Nakamura die THM wiederholt besucht: 2017 bis 2019 war er in Form von kürzeren Delegationsreisen jährlich in Gießen. 2020 wollte erstmals eine Delegation des Fachbereichs Wirtschaft ihn aufsuchen – was an der Pandemie scheiterte. Nun also die vierte Visite Nakamuras. Prof. Sames stellte ihm die THM ausführlich vor, berichtete von Forschungs- und Lehrschwerpunkten der THM Business School.

„Uns verbindet diese langjährige Zusammenarbeit. Ich freue mich sehr, ihn ab jetzt für ein ganzes Semester als Gast hier am Fachbereich zu haben“, erklärt Madeja, der für Nakamura erster Ansprechpartner sein wird. Sein Aufenthalt und sein geplantes Forschungsvorhaben an der Schnittstelle zwischen der digitalen Transformation und Nachhaltigkeit böten vielfältige Anknüpfungspunkte für weitere gemeinsame Arbeiten. „Davon werden unsere Forschung und Lehre im Bereich des Digital Business sicher profitieren“, so Madeja, der auch Leiter des Masterstudiengangs Digital Business ist. Nakamura wird dabei nicht ausschließlich an der THM sein: Er möchte Unternehmen in der Region besuchen, um die deutsche Wirtschaft kennenzulernen. Die Unternehmensstruktur Mittelhessens und der Region um Kyoto, Osaka und Kobe weise bei aller kulturellen Unterschiedlichkeit deutliche Parallelen auf, berichtet Nils Madeja: Hier wie dort habe man eine starke mittelständische Prägung, ergänzt um Unternehmen aus der Schwerindustrie.

Text und Foto: Malte Glotz, THM